Vorbildliche Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen sorgen dafür, dass der Nachwuchs an den (Fußball-)Sport herangeführt wird und mit viel Spaß und Erfolg am Ball bleibt.
Wenn Anita Nurboja und Büsra Kesimal zeigen, wie sie mit dem Fußball umgehen können, staunen nicht nur ihre Klassenkameraden und -kameradinnen. Die beiden Teenager sind nämlich beste Beispiele dafür, wie aus der Idee, in der Schule eine Fußball-AG auf die Beine zu stellen, neue Talente hervorgehen, die später erfolgreiche Kickerinnen werden.
Anita ist 15 Jahre alt und geht in die 9. Klasse der Gesamtschule Bergerfeld in Gelsenkirchen. „Da habe ich vor zwei Jahren in der Fußball-AG angefangen zu spielen. Das hat super viel Spaß gemacht, und weil ich im Fußball besser werden wollte, bin ich in einen Verein gegangen“, erinnert sich die Gelsenkirchenerin, die heute bei Erle 08 spielt.
Und zwar als talentierte Allroundspielerin, die es nicht nur in die Stadtauswahl geschafft hat, die Gelsenkirchen zum Beispiel bei der Ruhrolympiade im vergangenen Jahr vertrat. Außerdem hat sie bereits an mehreren Sichtungslehrgängen für die Westfalenauswahl teilgenommen.
Von der Fußball-AG in den Verein
Noch etwas erfolgreicher ist Büsra, die zwar erst 14 Jahre alt, aber bereits ins türkische Juniorinnen-Nationalteam berufen worden ist. Die Stürmerin ist eine echte Torjägerin und spielt beim 1. FFC Recklinghausen. Also bei dem Klub, in dem sich auch die Westfälin Alexandra Popp, die ebenfalls auf die Gesamtschule Bergefeld geht, zur Juniorinnen-Nationalspielerin entwickelt hat.
„An den Erfolgen so begabter Mädchen wie Anita und Büsra sieht man, wie erfolgreich frühe Talentförderung über Schulprojekte sein kann“, sagt Gisbert Wahl, der als Mitglied des Gelsenkirchener Arbeitskreises für Frauen- und Mädchenfußball verantwortlich für den Schulfußballbereich ist und zusammen mit den Sportlehrern Conny Neumann und Jochen Hermann von der Gesamtschule Berger Feld für das Schulfußballprojekt verantwortlich zeichnet.
Vorzeigeverein SC Hassel
Dass Vereine von dem Engagement für den (Fußball-) Sport an Schulen profitieren, weiß auch Gisbert Wahls Ehefrau Rita. Die Sportlehrerin ist Beauftragte für den Schulsport in Gelsenkirchen und berichtet von erfolgreichen Kooperationen des SC Hassel 1919 mit mehreren Gelsenkirchener Schulen: „Über das ,spin‘-Projekt des LandesSportBundes NRW, das zum Ziel hat, Mädchen und junge Frauen mit Migrationshintergrund an den Sport heranzuführen, hat der SC Hassel die Basis für eine eigene Mädchenfußball-Abteilung geschaffen“, sagt Wahl. „Das ,spin‘-Projekt bietet besonders in Ballungsgebieten mit hohem Migrationsanteil wie Gelsenkirchen eine Möglichkeit, das Vertrauen ausländischer Eltern, die das Freizeitverhalten ihrer heranwachsenden Mädchen kontrollieren, zu gewinnen.“
Über die Kooperation mit Schulen, zum Beispiel der Gesamtschule Buer-Mitte oder der Hauptschule Eppmannsweg, wird das Interesse vieler Mädchen am Sport ganz allgemein und am Fußball speziell geweckt. So konnte Ende April bereits das erste Schule-und-Fußball-Training der neuen Mädchenfußball-Abteilung im schönen Lüttinghof-Stadion in Hassel über die Bühne gehen. „Eine eigens engagierte Trainerin, die das Training zweimal pro Woche nachmittags leitet, und die großzügige Sportanlage bieten beste Voraussetzungen, dass die Mädchen mit Freude bei der Sache sind. Ziel ist es, dass aus diesen Anfängen auch eine Frauenfußball-Abteilung wachsen kann“, beschreibt Wahl ein weiteres ehrgeiziges und Erfolg versprechendes Projekt in Gelsenkirchen.
Wie wichtig es ist, sich mit dem und für den Nachwuchs zu engagieren, betont auch Dr. Klaus Balster in seiner Eigenschaft als Leiter der „Steuerungsgruppe Sportvereine/Schule“ in der Deutschen Sportjugend (DSJ): „Die Zukunft wartet nicht! Für die Vereine ist es wichtig, sich zu positionieren und auf die Rahmenbedingungen und die Bedürfnisse junger Menschen einzugehen. Dazu gehören auch Kooperationen mit Schulen oder Kindertagesstätten. Vereine müssen die Möglichkeiten erkennen, die dadurch entstehen, dass sie in intakten Netzwerken mitgestalten.“
Dr. Klaus Balster, gleichfalls Leiter der „Steuerungsgruppe Kinderwelt = Bewegungswelt“ fasst zusammen: „Es gibt viele ,Bewegungsanwälte‘: Sportvereine und Kindertagesstätten gehören ebenso dazu wie die Eltern, die natürlich eine zentrale Rolle spielen und noch stärker involviert und beraten werden müssen.“
Für Anita und Büsra war der Einsatz ihrer „Bewegungsanwälte“ ein Glücksfall. Die beiden Nachwuchs-Kickerinnen können sich ihr Leben ohne Sport gar nicht mehr vorstellen. Sie und viele andere junge Mädchen waren dabei, als im Mai bereits zum dritten Mal die „Mini-WM“ stattfand, bei der in der Gelsenkirchener Glückauf-Kampfbahn Spielerinnen aus rund 30 weiterführenden Schulen des Fußballkreises Gelsenkirchen in einem eigenen Wettbewerb um Tore und Pokale kickten.
Schließlich soll beim weiblichen Fußballnachwuchs auch schon mal die Vorfreude auf die 2011 im eigenen Land stattfindende Frauen-WM angeheizt werden. Und wo könnte das besser gelingen als in Gelsenkirchen?
