„Ich stand irgendwo zwischen Torhüterposition drei und vier, mit der Tendenz zur vier“, blickt Heerwagen zurück. Für den Bayer wurde es also Zeit, dass sich was dreht - und wie. War sein erster Einsatz im letzten Hinrundenspiel noch die Folge einer Roten Karte für Daniel Fernandes in der Vorwoche, entschied sich Marcel Koller ausgerechnet vor dem entscheidenden Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt für Heerwagen. Die Story ist kurz erzählt, der Bayer blieb fehlerfrei und spielte folglich auch am letzten Spieltag in Köln. Heerwagen: „Es waren zwei wichtige Partien. Die erste natürlich für die Mannschaft und für den Klub. In Köln war es dann für mich ein persönlicher Abstiegskampf. Dann da habe ich richtig etwas zu tun bekommen.“
Doch das Wichtigste für Philipp Heerwagen war etwas ganz anderes: „Überall, wo ich gespielt habe, war ich die Nummer eins. Und plötzlich die Nummer vier. Gegen Frankfurt hatte ich endlich wieder das Gefühl, gebraucht zu werden.“ Dass Heerwagen mit der Vergangenheit nicht zufrieden war, ist völlig klar: „Nummer vier, das kann nicht mein Anspruch gewesen sein. Du kannst dich immer nur im Training anbieten und auf deine Chance warten. Aber wenn du ein Ziel beharrlich verfolgst, zahlt sich dein Wille auch mal aus.“
Heerwagen macht keinen Hehl daraus, dass er sich zwischenzeitlich mit dem Gedanken getragen hat, den Klub zu verlassen. Doch letztlich gab einiges den Ausschlag für seinen Verbleib in Bochum: „Ich hatte mich gerade eingelebt, fühle mich in der Stadt sehr wohl. Da wäre ein Wechsel für mich nicht leicht gewesen. Außerdem wäre das immer nur der Weg des geringsten Widerstands. Ich wollte mich einfach der Herausforderung stellen.“ Mittlerweile liefert sich der 26-Jährige einen beherzten Kampf um den Stammplatz im VfL-Tor mit Fernandes. Wie der ausgeht, da mag sich der Keeper nicht festlegen: „Da habe ich zur Stunde noch gar kein persönliches Gefühl. Es ist auch müßig, das entscheidet ja alleine der Trainer.“
Doch diese Entscheidung will Heerwagen mit konstanten Leistungen im Training sowie den Testspielen seinem Coach erleichtern: „Ich habe mich verändert, meine Aktionen sind flexibler und schärfer geworden.“ Was er unter „schärfer“ versteht? Heerwagen: „Ich bin präziser und effektiver.“ Momentan lässt er gerade wieder von einer guten Bekannten, die als Ernährungsberaterin arbeitet, seinen „Speiseplan“ kontrollieren. Heerwagen: „Ich achte schon ziemlich konsequent auf meine Ernährung. Allerdings sind mir auch Sünden nicht fremd.“ So ließ er es auf der Mannschaftstour nach Mallorca auch mal krachen. Und er genoss während seiner 14-tägigen Asienreise die dortigen Köstlichkeiten. In Sachen Rückennummer hat sich für Heerwagen hingegen etwas geändert. Weil er die Nummer 33 nicht bekommen hat, entschied er sich für die „18“ seines scheidenden Kumpels Oliver Schröder. Aber wenn man sieht, wie entschlossen er derzeit trainiert, dann steht die 18 vielleicht auf seinem Rücken. Doch im Kopf hat er die Nummer eins.

