Lange Zeit musste der Junior auf gebratene Putenbruststreifen, Sauerländer Krüstchen und das Rumpsteak "Bergmann" verzichten. Doch nun ist Wingerter den kulinarischen Genüssen wieder ganz nahe – im wahrsten Sinne des Wortes.
Denn der frühere Schalker hat nach Stationen bei Union Berlin und dem VfR Aalen den Weg zurück ins Revier gefunden. Im elterlichen Haus bewohnt er eine Wohnung, direkt über dem Restaurant. "Ich werde richtig gut bekocht. Wenn ich Lust auf einen Salat habe, muss ich nur kurz durchklingeln", lächelt Wingerter. Sein ehrlicher Zusatz: "Nach fünf Jahren war es für mich an der Zeit, zurück ins Revier zu kehren."
Dafür nimmt er auch lange Wege zu seinem neuen Arbeitgeber Lotte auf, der mit ihm und dem Ex-Essener Sidney das Dutzend Neuzugänge voll gemacht hat. Doch bei einer Fahrgemeinschaft mit den Bochumern Alexander Thamm und David Czyszczon ist immerhin für Unterhaltung gesorgt. Und es ist sichergestellt, dass er seine neue Mitspieler kennen lernt. "Vom Namen her haben mir einige was gesagt, zudem habe ich gegen Trainer Maik Walpurgis schon mal mit Union Berlin gespielt, als er noch bei Bielefeld II war. Aber das war es auch schon an Berührungspunkten", berichtet Wingerter.
Dennoch hat er nicht lange gezögert, als die Anfrage von den Sportfreunden kam. Schließlich hat der frühere Junioren-Nationalspieler ein echtes Seuchenjahr hinter sich, an dessen Ende sechs Drittliga-Einsätze und der Abstieg mit Aalen standen. "Ich hätte auch in Aalen bleiben können, wollte aber unbedingt wieder nach Hause. Und die West-Staffel ist ohnehin attraktiver als die anderen beiden", berichtet der gebürtige Gelsenkirchener.
Den ganz großen Fußball wird er auch in Lotte nicht aus den Augen verlieren, dafür sorgt schon der DFB-Pokal. In der ersten Runde empfängt der Underdog den VfL Bochum. Ausgerechnet der VfL, dem er mit Schalkes Zweitvertretung schon einmal mit 0:1 im Cup knapp unterlegen war. "Da gibt es noch eine offene Rechnung", lächelt Wingerter, um mit geballter Faust anzumerken: "Warum sollten wir eigentlich nicht die nächste Runde erreichen?"
Ein gesundes Selbstbewusstsein, mit dem er seine neuen Mannschaftskameraden mitreißen will. Doch allein auf die Karte Fußball setzt er nicht mehr. Seit 2007 absolviert der 26-Jährige eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann, die will er nun in Lotte abschließen. Nur zur Sicherheit, falls es mit der Karriere als Restaurantkritiker nichts werden sollte...


















