Das Freundschaftsspiel von Zweitligist Union Berlin zur Eröffnung der umgebauten "Alten Försterei" gegen Bundesligist Hertha BSC Berlin endete mit Misstönen. Die Union-Fans machten sich beim 3:5 über Herthas Anhänger lustig ("Wir haben ein Stadion und ihr nicht") und wurden dabei von offizieller Seite ihres Klubs unterstützt. "Ich finde das Verhalten respektlos. Ich glaube nicht, dass ein Stadionsprecher die Stimmung so anheizen sollte", sagte Herthas Kapitän Arne Friedrich.
Als die Fans des Bundesligisten bei der 5:3-Führung den üblichen Spruch skandierten "Ihr könnt nach Hause fahren", schaltete sich Stadionsprecher Christian Arbeit per Mikrofonanlage ein und erwiderte: "Richtig. Aber dafür haben wir auch ein Zuhause."
Unions Sprecher verteidigte sein Vorgehen: "Das war eine Reaktion auf die Gesänge im Gäste-Block. Im Fußball gehört ein bisschen Rivalität dazu. Ich hatte aber nicht vor, die Fans zu provozieren", sagte Arbeit. Die Bemerkung des Sprechers verdeutlichte auch, wie groß die Rivalität der Klubs trotz Sympathie-Bekundungen der Führungsebenen im Vorfeld ist. Der Stolz der "Eisernen" auf ihr neues Zuhause in Köpenick war unübersehbar.
Mit großformatigen Plakaten wurde die Eigenleistung gefeiert und die Abgrenzung zu anderen Klubs mit weniger Verwurzelung im Stadtbezirk hergestellt: "Alte Försterei - ein Stadion mit Seele und Identität, kein Klotz aus Beton", hieß es da. 2000 Helfer hatten seit vergangenem Sommer den Umbau auf der "geilsten Baustelle der Welt" unterstützt. Der Kult-Klub sparte dadurch 2,5 Millionen Euro.
Unions Präsident Dirk Zingler bedankte sich bei allen Helfern: "Ich bin stolz, ein Teil dieser Familie zu sein." Der Kult um den unermüdlichen Einsatz war überall zu spüren. Fans trugen Bauhelme, ein "Buch zum Umbau" wurde angepriesen und im Klub-Magazin gab es ein Kreuzworträtsel nur mit Stadion-Begriffen. Sylvia Weisheit, Projektleiterin und "gute Seele" des Umbaus, sparte bei ihrem Rückblick nicht mit Superlativen: "Danke, dass ich an diesem epochalen Ereignis teilhaben durfte."
Da rückte das sportliche Geschehen vor 19.000 Zuschauern etwas in den Hintergrund. Hertha gewann auch dank der ersten beiden Tore von Neuzugang Artur Wichniarek und einer besseren Spielanlage. Union hielt kämpferisch dagegen und trug zu einem tollen Spiel bei. Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein konnte nach dem Trubel der letzten Tage um ihre zweijährige Sperre wegen auffälliger Blutwerte ebenfalls entspannen. "Ich habe endlich mal den Kopf frei bekommen", sagte die Berlinerin.
Herthas Trainer Lucien Favre fand das Verhalten der Union-Fans nicht so schlimm. "Sie haben ein tolles Stadion und werden eine gute Saison spielen", meinte der Schweizer. Neid auf eine reine Fußball-Arena ohne Laufbahn kam bei Favre nicht auf: "Wir haben mit dem Olympiastadion auch ein tolles Stadion."


















