Es wirkt so, als hätte der baumlange Brasilianer gerade einem Fünfjährigen sein erstes Fahrrad geklaut. In Wahrheit hat der Innenverteidiger nur gute Laune - trotz des viel zu kleinen Rahmens seines schwarz-gelben Untersatzes.
„Ich musste in Brasilien schließlich sehen, wie ich vorwärts komme. Ein Auto oder ein Motorrad konnte sich meine Familie nicht leisten“, nennt der 23-Jährige den pragmatischen Grund für seine Künste auf dem Zweirad, das längst nicht bei allen Borussen so gut ankommt wie bei Santana.
Ähnlich locker wie die allmorgendlichen Rad-Einheiten nimmt der Brasilianer, der in der abgelaufenen Spielzeit 23 Mal zum Einsatz kam, derzeit auch noch den Konkurrenzkampf in der Dortmunder Innenverteidigung.
Gemeinsam mit Neven Subotic, Mats Hummels und Uwe Hünemeier bewirbt sich Santana um einen von zwei freien Plätzen in der Defensivzentrale - und besitzt dabei gute Chancen. Längst ist der Ex-Kapitän vom brasilianischen Erstliga-Klub Figueirense FC auch in Deutschland als gestandener Abwehrspieler akzeptiert.
Santanas Anfang in Dortmund war jedoch von Hindernissen gekennzeichnet, wie er selbst zugibt: „Die erste Zeit war nicht sonderlich einfach. Ich musste mich komplett umstellen.“ Die Medien begrüßten den Neuzugang mit strengen Blicken und teils spöttischen Kommentaren. Und auch bei den Mitspielern überwog zunächst die Skepsis, ob der ungelenk und unsicher wirkende Santana wirklich eine Verstärkung sein könnte.
Doch er biss sich durch und kann heute mit Genugtuung feststellen: „Der Knackpunkt war mein dritter Einsatz im Spiel gegen Frankfurt. In der Partie habe ich mir - und meinen Kollegen - gezeigt, dass ich in der Mannschaft angekommen bin und man sich auf mich verlassen kann.“
Nach Hummels‘ Verletzung avancierte Santana zum Stammspieler, und machte aus der anfänglichen Personalnot eine Tugend. Neben Subotic, der nach einer bärenstarken Hinserie nach der Winterpause zunächst seine Form suchte, wurde der Brasilianer immer sicherer und zweikampfstärker.
Selbst in der weit entfernten Heimat, in der Offensivfußballer immer noch mehr Respekt ernten als Abwehrspieler, verfolgte man den Werdegang des früheren Junioren-Nationalspielers. Sogar die brasilianische Nationalmannschaft, die berühmte Selecao, scheint mittlerweile in greifbarer Nähe zu sein.
„In den brasilianischen Zeitungen schreiben sie, dass es einen Neuen für das Nationalteam gibt. Aber Brasilien ist mit guten Innenverteidigern ausgestattet, man denke nur an Lucio oder Juan“, belässt es Santana derzeit noch bei vorsichtigen Formulierungen. Mit einem Stammplatz beim BVB im Rücken dürfte sich das in den nächsten Monaten jedoch mit Sicherheit ändern.

