Das Paradeboot des Deutschen Ruderverbandes (DRV) zog die Aufmerksamkeit - verbunden mit zahlreichen Schlagzeilen - auf sich. Nach dem Debakel bei den Olympischen Spielen in Peking, wo man bereits im Hoffnungslauf scheiterte, hat sich der Deutschland-Achter in diesem Monat mit dem Sieg beim Weltcup-Finale in Luzern in der Weltspitze zurückgemeldet.
Abseits des DRV-Flaggschiffes sorgen allerdings noch andere Achter für Aufmerksamkeit: Die Ruder-Bundesliga feiert in diesem Jahr ihre Premiere. An insgesamt sechs Rennwochenenden ermitteln die Vereine ihren Deutschen Meister, aber nicht auf der herkömmlichen olympischen 2000-Meter-Distanz, sondern auf der 350-Meter-Sprintstrecke.
RevierSport sprach vor dem dritten Rennen in Castrop-Rauxel am kommenden Samstag, 25. Juli, mit Arne Simann, den Mitbegründer und Sprecher der Ruder-Bundesliga, über den Startschuss der Ruder-Bundesliga, die Eventisierung und House-Musik an der Strecke.
Herr Simann, wie fällt Ihr Urteil nach den ersten beiden Rennwochenenden und wenige Tage vor dem Start in Castrop-Rauxel aus?
Ich bin mehr als zufrieden. Die Resonanz ist unglaublich, besser als gedacht. Bei unserem letzten Rennen in Ratzeburg hat der Bundesliga-Tabellenführer, der Crefelder Ruder-Club, den nationalen Achter geschlagen. Es gibt keine besseren Mannschaften in Deutschland. Mit dabei sind Teilnehmer von der Weltmeisterschaft, Olympia, Oxford und Cambridge sowie amtierende Weltrekordler.

Die Ruder-Bundesliga wird sowohl von den Zuschauern als auch den Teilnehmern positiv angenommen (Foto: RBL).
Wir haben, wie die Zuschauer auch, festgestellt, dass Rudern wie in den letzten 50 Jahren nach der olympischen 2.000-Meter-Distanz nicht mehr funktioniert. Man sieht immer nur die letzten 300 Meter und da ist das Rennen schon gelaufen. Das Ganze ist nicht mehr so spannend und eher langatmig. Wir haben die Mannschaften und uns selbst gefragt, wie man das ändern könnte. Wir haben uns dafür entschieden, beim Achter zu bleiben, weil er immer noch das Sinnbild des Rudersports ist. Er wird ausschließlich positiv assoziiert.
Sie haben also vorab Rücksprache mit den Vereinen gehalten?
Wir sind in Ratzeburg mit dem Achter-Sprintcup angefangen und hatten unglaublich großen Zuspruch. Das hat uns gezeigt, dass Bedarf vorhanden ist. Anschließend haben wir uns das Konzept der Bundesliga überlegt. Vorher haben alle gesagt: ‚Da kriegt ihr vielleicht sechs oder zehn Mannschaften zusammen.’ Mittlerweile sind wir bei 35 und für nächstes Jahr haben sich auch schon viele Vereine, die dieses Jahr so schnell nicht mehr dabei sein konnten, angekündigt. Unser Ziel ist es, dass jeder Ruder-Klub, der Rennrudern betreibt, genauso wie jedes Dorf seine Kreisligamannschaft, seinen eigenen Achter hat. In England und den USA funktioniert dies auch.
Wenn sie zurückblicken – wer hatte die Idee der Ruder-Bundesliga und wie viel Zeit ist seitdem vergangen?
Die Idee hatten Nils Budde und ich zusammen im Dezember 2008. Wir haben uns dann Gedanken darüber gemacht, wie so ein Konzept aussehen könnte. Dann haben wir das relativ schnell aus der kalten Hose gestartet. Allerdings auch mit dem Wissen, dass, wenn wir es erst ein Jahr angekündigt hätten, der Deutsche Ruderverband sicherlich noch mehr Gegenwind gemacht hätte.
Wieso Gegenwind?
Im Rudern, das wird im Golf und im Tennis nicht anderes sein, gibt es ein höher gestelltes Klientel. Alles was anders ist, wird grundsätzlich erstmal nicht so gern gesehen. Es gibt Leute, die sicherlich denken: „Jetzt kommen da so junge Burschen, die machen nur Achter-Sprints und Techno-Musik dazu. Das ist ja verrückt.“ Diese Personen wollen ihre klassischen Bilder des Rudersports nicht aufgeben, aber wenn die meisten erstmal dabei waren, finden die das toll.
Wie fällt somit die Resonanz bei den Zuschauern und Teilnehmern aus?
Sehr gut. Der Deutsche Ruderverband ist unser Partner. Beim Auftakt in Münster hatten wir etwa 10.000 Menschen an Laufkundschaft.

Auch die Damen haben ihre eigene Bundesliga (Foto: RBL).
Das ist auch unser Ziel. Und dies erreicht man nicht bei der 2.000-Meter-Regattastrecke außerhalb des Einzugsgebiets. Man muss in die Städte rein. In Castrop haben wir nun natürlich ein Vorteil. Ein Großteil der Mannschaften kommt aus NRW. Wenn es nicht gerade in Strömen regnet, wird es sicherlich ein schöner Tag.
Und was ist das in erster Linie für ein Publikum, sind das Ruderexperten?
Früher waren es bei den herkömmlichen Regatten Ruderexperten. Die sind nun auch da, aber durch das Konzept der Eventisierung kommt auch die Laufkundschaft. Der Vorteil ist einfach, dass man bei 350 Metern sowohl den Start als auch das Ziel sieht. Hundertstel Sekunden entscheiden das Rennen, das heißt, es ist immer spannend. Man sieht das Boot nicht nur einmal am Tag, sondern fünf-, sechs-, siebenmal. Es ist unheimlich kurzweilig. Ich habe bisher nichts Negatives gehört, außer dass vielleicht welche sagen: ‚Muss es immer diese House-Musik sein?’ Aber die passt eben am besten zu der Ruderschlagtechnik. Da kann man nun mal keine Stones spielen, so wie es Manni Breuckmann gesagt hat.
Können Sie noch etwas zum Modus sagen?
Wir beginnen Samstag mit den Zeitfahren. Am Anfang steht das Qualifying. Dann wird anhand der Zeitfahrergebnisse der Modus festgelegt. Der Schnellste fährt gegen den Langsamsten, der Zweite gegen den Vorletzten und so weiter. Wir haben dann Platzierungen von 1 bis 16 und dementsprechend werden auch die Punkte für die Tabelle verteilt.
Glauben Sie, dass der gesamte Rudersport von der Einführung der Ruder-Bundesliga profitiert?
Selbstverständlich. Das ist ja quasi unsere Aufgabe. Rudern ist ja auch keine unbeliebte Sportart. Das Problem ist nur, dass Rudern nur alle vier Jahre bei Olympia interessant ist, die 3,99 Jahre dazwischen nicht. Wir haben nun den Spannungs- und Unterhaltungsmoment verstärkt. Außerdem holen wir viele zurück in den Sport. Bisher war es so, dass man entweder 14 Mal Richtung WM rudert und wenn es nicht mehr reicht, dann kriegt man keine gute Betreuung mehr.
Zum Abschluss noch eine Prognose: Welches Team wird sich am Ende der Saison durchsetzen?
Bei den Männern waren die Crefelder bisher absolut überzeugend, aber die Mannschaft aus Münster ist stark im Kommen. Auch die Leverkusener haben mit dem Olympiasieger Stephan Volkert und Cambridge-Fahrer Thorsten Engelmann ein starkes Team. Es wird sich vor allem im Herbst noch einiges tun, wenn die Weltmeisterschaft vorbei ist und die Klub-Achter mit den National-Rudern verstärkt werden.
