"Louis van Gaal muss am Samstag gegen Wolfsburg die richtige Antwort finden", sagte Franz Beckenbauer und setzte den Trainer unter Druck. Der Bayern-Präsident befürchtet ein "schweres Jahr" für den Rekordmeister. "Tulpen-General" Louis van Gaal (tz: "Louis van Qual") steht nach drei sieglosen Spielen zum Bundesliga-Auftakt schon in der Kritik und trieb am Montag auf dem Trainingsplatz an der Säbener Straße seine Spieler immer wieder mit lauten Rufen an. Sein taktisches Schema funktioniert nicht, und obwohl beim Titelaspiranten über 50 Millionen Euro in Neuzugänge investiert worden, wird nach dem verkorksten Start bereits über weitere Transfers spekuliert.

Macht Druck: Franz Beckenbauer. (Foto: firo)
Beckenbauer räumte in der Bild schon eine verfehlte Personalpolitik ein, die van Gaal allerdings nur teilweise zu verantworten hat: "Mit Lucio wäre die Abwehr vielleicht etwas stabiler, Ze Roberto ist mit seiner Ballbeherrschung eine Verstärkung für viele Teams. Aber was soll´s, jetzt sind sie weg." Es brennt nach dem blamablen 1:2 in Mainz in allen Mannschaftsteilen - vom schwachen Torwart Michael Rensing über die Verteidigung bis hin zum Mittelfeld, wo der nach seinen Adduktorenproblemen immerhin ins Training zurückgekehrte Ribery ein Dauer-Streitthema ist. "Der FC Bayern ohne Ribery ist eine Durchschnittsmannschaft", sagte Stefan Effenberg bei Sky: "Da ist nicht die Qualität im Kader vorhanden, um wirklich ganz oben mitzuspielen und schon gar nicht im internationalen Bereich."
In Sachen Abwehrspieler hatten die Bosse des FC Bayern die letzten ein, zwei Jahre verschlafen. Jetzt wird über die Verpflichtung eines Verteidigers wie Darijo Srna (Schachtjor Donezk) oder Nationalkeeper Robert Enke (Hannover 96) spekuliert, als Ergänzung zum Franzosen Ribery kursieren die Namen Rafael van der Vaart oder Wesley Sneijder (beide Real Madrid). "Das bespreche ich mit dem Vorstand", sagte van Gaal zum Thema Verstärkungen vielsagend. Immerhin meldete sich der noch in Mainz wegen Adduktorenproblemen fehlende Superstar Ribery am Montag zurück: "Ich bin fit." Im Gegensatz zum fehlenden Luca Toni (Achillessehenprobleme) trainierte er 90 Minuten an der Säbener Straße und will im richtungweisenden Spiel am kommenden Samstag (18. 30 Uhr/live in Sky und Liga total) gegen den VfL Wolfsburg am liebsten von Anfang an dabei sein.
Van Gaal ließ am Montag vor allem die Mittelfeld- und Abewhrspieler immer wieder zu gemeinsamen Übungseinheiten antreten. Neuzugänge wie seine Wunschspieler Danijel Pranjic, Edson Braafheid oder auch Anatolij Timoschtschuk haben bislang durchweg enttäuscht. Da konnten auch die schön aufgestellten Biertulpen beim Sponsor (Paulaner) die schwarzen Wolken beim FC Bayern nicht vertreiben. "Die Stimmung ist nicht optimal - das ist klar", sagte Thomas Müller nach dem Fotoshooting. Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge sieht "eine sehr gefährliche Situation, die wir sehr ernst nehmen."
Im Gegensatz zum Fall Jürgen Klinsmann scheint jedoch bei den Spielern wie Bastian Schweinsteiger ("Ich habe das Gefühl, dass er zu Bayern passt") bislang das Vertrauen in ihren selbstbewussten und manchmal zur Arroganz neigenden Chefcoach ungebrochen zu sein. Neuzugang Mario Gomez erklärte jedenfalls, dass die Mannschaft nicht gegen den Trainer spiele: "Das ist Quatsch. Wir sind nicht genug gelaufen, nicht der Trainer. Dass wir jetzt ein paar Tage Unruhe haben, ist ja nicht die Schuld des Trainers."
Und Franz Beckenbauer glaubt ebenfalls noch an van Gaal und daran, dass der FC Bayern München nicht untrainierbar ist: "Felix Magath, Ottmar Hitzfeld oder zuletzt Jupp Heynckes haben es doch auch geschafft."


















