Vor, während und nach dem Ligapokal-Spiel zwischen den Londoner Rivalen West Ham United und FC Millwall am Dienstagabend kam es zu schweren Auseinandersetzungen verfeindeter Anhängerscharen, die an die schlimmsten Zeiten des Hooliganismus auf der Insel in den 70er und 80er Jahren erinnerten. "Wir verurteilen diese Ereignisse auf das Schärfste, sowohl die im als auch die außerhalb des Upton Parks. Wir werden mit allen Parteien eng zusammenarbeiten, um Fakten zu schaffen. Wir gehen davon aus, dass die Schuldigen lebenslang aus dem Fußball verbannt werden. Sie haben in unserem Sport keinen Platz", hieß es in einem Statement des englischen Fußball-Verbandes FA am Mittwoch.
Die Rowdys jagten sich gegenseitig durch die Straßen rund um das Stadion von West Ham United, es flogen Pflastersteine, Flaschen und Leuchtraketen. Berittene Polizei sowie rund 200 Spezialeinsatzkräfte versuchten, den Mob unter Kontrolle zu bekommen. Ein Mann wurde bei einer Messerstecherei im Bereich der Brust verletzt. Sein Zustand wird von den Behörden als "stabil" beschrieben, zwei weitere Personen erlitten leichtere Verletzungen. Insgesamt gab es im Zuge der Randale 13 Festnahmen. Augenzeugen berichteten von zahlreichen Menschen mit blutüberströmten Köpfen und Gesichtern.
In dem Stadion im Londoner East End eskalierte die Situation kurz vor dem Ende des Spiels, als West Hams Junior Stanislas in der 87. Minute für den Favoriten aus der Premier League das 0:1 durch Millwalls Neil Harris ausglich. West Ham gewann schließlich nach Verlängerung mit 3:1 gegen den Drittligisten. Das Spiel musste dreimal vom Schiedsrichter unterbrochen werden, da es zu Schlägereien auf den Rängen kam und immer wieder Zuschauer auf das Spielfeld vordrangen. "So etwas ist nicht gut für den Fußball. Ich habe solche Szenen noch nie gesehen. Ich war total geschockt, so etwas hätte ich bei aller Rivalität nie erwartet", sagte West Hams Teammanager Gianfranco Zola nach dem Spiel.
Die Londoner Polizei war ohnehin mit einem Großaufgebot vor Ort, da Begegnungen zwischen den beiden Vereinen schon immer als Risikospiele gelten, musste jedoch im Laufe des Abends weitere Verstärkung anfordern. Es wurden Video-Aufnahmen gemacht, auch ein Hubschrauber musste zur Beobachtung eingesetzt werden. Mehrere Hundert Personen seien, ohne im Besitz von Eintrittskarten für das Spiel zu sein, gezielt angereist, um für Ärger zu sorgen. Ein Polizeisprecher beschrieb die Ausschreitungen gegenüber dem Nachrichtensender Sky News als "organisiert" und "ernst".
Der FC Millwall, dessen Anhänger vor allem in den ärmeren Vierteln im Süden und Südosten Londons leben, hat eine lange unrühmliche Vergangenheit im Zusammenhang mit Zuschauer-Krawallen. Millwall-Chaoten sorgten zuletzt am 2. Mai 2002 nach dem 0:1 im Play-off-Spiel gegen Birmingham City für schwere Ausschreitungen. Damals waren unter anderem rund 150 Polizeibeamte zum Teil schwer verletzt worden, einige von ihnen leiden noch heute unter den Folgen. Insgesamt wurden über 20 Personen wegen ihrer Beteiligung an den Krawallen zu Haftstrafen zwischen 24 und 30 Monaten verurteilt. Aufsehenerregend war dabei unter anderem die Verurteilung eines damals 24 Jahre alten Börsenmaklers.
