Stimmt aber nicht ganz. Es ist nämlich noch ein Schläger im Spiel und der Ball ist auch wesentlich kleiner: Willkommen beim Beach-Tennis.
Bei dieser in Deutschland noch relativ neuen Trendsportart steht ausdrücklich der Spaß im Vordergrund – eine nette Abwechslung zu den oftmals verbissen geführten Matches in der Meisterschaft. Hart umkämpft sind die Duelle auf dem Sand allerdings auch. An einem Team gibt es aber kein Vorbeikommen. Das Herren-Doppel Jan Nottenkämper und Timo Jogwer bildet das Pendant zu dem Schweizer Weltklasse-Tennisspieler Roger Federer. So manch ein ATP-Weltranglistenspieler bekam sogar von „Löbble & Stöbble“ – der Spitzname des Duos vom RV Rauxel – seine Grenzen aufgezeigt. Bei einem Schaukampf am Rande des World Team Cups 2006 im Düsseldorfer Rochusclub hatten Nicolas Kiefer und Alexander Waske nicht den Hauch einer Chance und mussten sich deutlich mit 3:9 geschlagen geben. „Eine solide Tennisspielstärke reicht völlig aus“, erklärt Jogwer und Nottenkämper ergänzt: „Es kommt vielmehr auf das Ballgefühl, die Beweglichkeit und die Raffinesse an.“
Deutsche Meisterschaften im September in Berlin
Ihre Ausnahmestellung demonstrierten die beiden am vergangenen Sonntag bei den Westfalenmeisterschaften im Herner Gysenbergpark, bei denen sie der Konkurrenz erneut eine Klasse voraus waren und sich ohne Probleme den Titel sicherten.

Die strahlenden Sieger bei den Westfälischen Meisterschaften (RS-Foto: Kraczyk).
Damit haben sich die Sportler aus der Beach-Tennis-Hochburg Castrop-Rauxel gleichzeitig für die 9. Deutschen Meisterschaften in Berlin vom 11. bis 13. September qualifiziert. Das Ziel für das erstmals in der Hauptstadt ausgetragene Turnier ist bereits klar formuliert: Titelverteidigung. Seit ihrer ersten Teilnahme 2001 - ein Jahr zuvor feierten die Deutschen Meisterschaften Premiere - haben Nottenkämper und Jogwer sechsmal das Herren-Doppel gewonnen. Hinzu kommen weitere Titel im Mixed.
Dass Beach-Tennis immer größerer Beliebtheit erfährt, wurde im Gysenbergpark ersichtlich. „Es waren viele Neue dabei. Wir hatten in den Kästchenspielen 20 Herren-, 14 Damen-Doppel und 24 Mixed“, freut sich Ernst Sasse, Vizepräsident Breitensport des Westfälischen Tennis Verbandes, über die positive Resonanz. Die vier Plätze waren am Wochenende nonstop belegt. Manch Spaziergänger, Jogger oder Fahrradfahrer verlangsamte merklich sein Tempo oder legte eine Rast ein, um das Spektakel zu verfolgen. Auch die Teilnehmer waren ungeachtet der hochsommerlichen Temperaturen mit vollem Einsatz dabei und schmetterten den Ball über das Netz. „Es ist eine große Beach-Tennis-Familie.

Beim Beach-Tennis hat der Spaßfaktor Priorität (RS-Foto: Kraczyk).
Jeder kennt jeden“, betont Sasse, der die Teilnehmer mittlerweile mit Vornamen ansprechen kann. Auch die Fairness wird groß geschrieben. Bewusst wird auf Schiedsrichter verzichtet, die Teams zählen selbständig mit, Unstimmigkeiten gibt es kaum. „Man gönnt sich den Erfolg. Der Spaß steht im Vordergrund“, betont Jogwer. Er und sein Doppel-Partner Nottenkämper sind im Jahr 2000 durch einen Aushang im Vereinshaus auf Beach-Tennis aufmerksam geworden. Seitdem lässt das „unschlagbare“ Duo im Spätsommer kein Turnier aus.
Herkunftsland Italien
Seinen Ursprung hat die Sportart in Italien, wo Ende der 1980er der erste Wettbewerb am Strand ausgetragen wurde.Der Münchner Sportpädagoge Dr. Eberhard Mensing trieb schließlich die Popularität in Deutschland voran. Während hierzulande - insbesondere im Norden - allerdings noch die Variante mit dem herkömmlichen Tennisschläger üblich ist, haben sich in Italien die Paddles durchgesetzt.

In Westfalen wird mit herkömmlichen Tennisschlägern gespielt (RS-Foto: Kraczyk).
Wegen der damit verbundenen unterschiedlichen Spielarten ist es derzeit noch schwierig, gemeinsame internationale Turniere auszutragen. Aber auch bei einem weiteren Aspekt gibt es noch Nachholbedarf. Während beim Beach-Volleyball die Zuschauertribünen prall gefüllt sind, bleiben beim Beach-Tennis die Teilnehmer oftmals unter sich. „Das Problem ist, dass Beach-Tennis unter Breitensport läuft. Wir bräuchten im Verband einen Eventmanager, der sich um die Vermarktung und um Sponsoren kümmert“, meint Nottenkämper. Diese Ansicht vertritt auch Sasse, der aber auch hinzufügt: „Ich sehe, dass diese Sportart eine Zukunft hat.“
Eine Vision des ehrenamtlich Tätigen ist, dass Beach-Tennis-Turniere gemeinsam mit Beach-Volleyball-Veranstaltungen ausgetragen werden und die Sportart somit von der Popularität des Nachbar-Wettbewerbs profitiert.
Der Wunsch könnte allerdings schon im kommenden Jahr auf eine andere Weise in Erfüllung gehen: Die Austragung der Deutschen Meisterschaften 2010 sollen nicht nur nach dem Willen der Castrop-Rauxeler auf dem Dortmunder Friedensplatz stattfinden.
