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Ortstermin: Scottish Cup, Celtic v Queen's Park
Keep the faith!

Ein Stück Anerkennung: Die Fans des Queen's Park FC

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Während uns die ersten Celtic-Fans kritisch beäugen geht es ins Scotia, die älteste Kneipe Glasgows. Es herrscht striktes Rauchverbot und, typisch britisch, eine unfassbare Disziplin wenn es darum geht, in einer Schlange anzustehen. Die Menschen unterhalten sich laut, auf den unzähligen Flatscreens im Pub läuft ununterbrochen Fußball aus der englischen Premier League.

Unsere schottischen Freunde haben unseren Tagesablauf minutiös geplant. Zuerst steht eine Besichtigung des Hampden Park auf dem Programm. Nach etwa 15 Minuten Taxifahrt erreichen wir das schottische Nationalstadion, in dem der QPFC beheimatet ist.

Hampden Park

Beheimatet ist der Klub im Hampden Park, dem schottischen Nationalstadion. Hintergrund: Im 19. Jahrhundert begründete der QPFC die schottische Nationalmannschaft, die ausschließlich aus Spielern des Vereins bestand. Das erste Länderspiel unter modernen Regeln, am 30. November 1872 gegen England, endete torlos. Seitdem ist der schottische Verband im Stadion der Queen's zu Gast. 52.500 Zuschauer fasst die moderne Arena, in der durchschnittlich etwa 800 bis 1.000 Zuschauer die Heimspiele der „Spiders“ verfolgen.

Mehr Infos:
www.queensparkfc.co.uk
www.hampdenpark.co.uk

Wir erkunden die Kabinen, in denen schon zahlreiche Mannschaftsansprachen vor großen Spielen stattgefunden haben. Nicht nur die schottische Nationalmannschaft trägt ihre Spiele dort aus, Borussia Dortmund holte 1966 den Europapokal der Pokalsieger, der FC Bayern zehn Jahre später sogar den der Landesmeister, Bayer Leverkusen unterlag 2002 Real Madrid nur knapp im Finale der UEFA Champions League.

Bob ist seit über 40 Jahren im Park beschäftigt und leitet die Tour. Er erklärt uns, warum in schottischen Stadien striktes Alkoholverbot herrscht. In den Achtzigern stürmten Fans beim „old-firm“-Derby den Platz und randalierten. Seitdem ist Alkohol im Stadion untersagt. Wer mit Bier oder Zigarette innerhalb der Stadionmauern erwischt wird, den erwartet eine saftige Geldstrafe: 2.500 Pfund.

Nach einem Rundgang und einer kurzen Stippvisite im schottischen Fußballmuseum geht’s in den vereinseigenen Social Club, einer Mischung aus Kneipe und Vereinsheim, wo bereits rund 100 Supporters der „Spiders“ dem Spiel gegen die „Bhoys“ entgegenfiebern.

Der Empfang könnte kaum herzlicher sein. „Diese Freundschaft ist mit Abstand das Großartigste, was ich in Sachen Fußball jemals erlebt habe“, erklärt Keith McAllister, Fan-Shop-Manager und Vorsitzender der QP Supporters Association. Seit den Siebzigern hat Keith kein Spiel seiner „Spiders“ verpasst, auch die jährlichen Trainingslager in Italien, Spanien und Deutschland begleitet der Schotte ausnahmslos.

Und räumt Sekunden später mit einem Vorurteil auf. Denn von dem Gerücht der „schottischen Geizigkeit“ werden wir alle zukünftig Abstand nehmen. Die gesamte Reisegruppe wird mit einer großzügigen Portion schmackhafter Pizza und schier unendlich vielen Kaltgetränken versorgt. Wir sind dankbar, denn es ist nicht einfach, in Glasgow eine gute Pizza zu bekommen. Allgemein ist es schwierig, sich mit der schottischen Ess-Kultur anzufreunden.

Schon beim typisch schottischen Frühstück hat man das Gefühl, knappe 5.000 Kilo-Kalorien in sich hinein zu schaufeln. Auf dem Teller findet man Speck, Eier, ein Scheibchen haggis (Grützwurst aus Hammel-Innereien), gebratene Pilze, baked beans, eine gebratene Tomate, Toast und Bratwürstchen. Ein vollwertiges Frühstück, heißt es. Aber für deutsche Verhältnisse eher für eine ganze Familie. Alternativ wird Porridge gereicht, traditionell gesalzener Haferschleim. Wer es lieber gezuckert mag, schaut in die Röhre. „Zucker nehmen die Engländer. Wir Männer mögen es salzig“, grinst McAllister.

Im Klubhaus ist die Aufregung spürbar. Fußball flimmert über den Flatscreen, in vier Stunden rollt das Leder. Durch das Alkoholverbot im Stadion ist es Usus, dass die Fans sich bereits Stunden vor dem Spiel in Wallung bringen. Becherweise gehen harte Spirituosen über die Theke.

Wer erwartet hat, dass pfeiferauchend am Scotch Whisky genippt wird, hat sich getäuscht. Auf zwei bis vier Finger breit russischen Wodka geht ein Schuss IRN BRU, eine süße Limonade, die geschmacklich an Kaugummis aus dem Automaten erinnert. Aber bei der Dosierung ist es wohl höchstens dafür gedacht, dem Getränk ein zärtliches Rosa zu verleihen. Alternativ gibt es Tennents, Glasgower Lager-Bier in Halbliter-Krügen. Wir stellen fest: Der Schotte allgemein scheint trinkfest zu sein.

Um eins wird es plötzlich mucksmäuschenstill. Wir stehen draußen, wollen frische Luft schnappen, als plötzlich die Tür aufgerissen wird. Aufgeregt schreit uns ein älterer Herr an: „We're on the telly!“ Wir schauen uns fragend an. Ja und jetzt?

Tatsächlich berichtet das englische Pay-TV über den QPFC und das Spiel. Und der ganze Saal starrt auf die Mattscheibe. Ruhm, der für unsere Gastgeber etwas völlig Unbekanntes ist. So langsam begreifen wir, was den Menschen dieses Spiel bedeuten sollte. Während des kurzen Einspielers wird jedes Statement über die ruhmreiche Vergangenheit mit lautem Applaus quittiert. Die Menschen scheinen kurz zu vergessen, dass ihr Klub mehr und mehr in Vergessenheit gerät.

Nach drei Stunden geht die Reise in großen Bussen weiter. Auch wenn der Stadtteil Bridgeton nur einen Steinwurf vom Queen's Park entfernt ist, besteht die Polizei auf die Anreise per Coach. Wir quälen uns durch den dichten Verkehr und durchqueren die feinen Bezirke östlich vom Stadtzentrum. Dort zaunt man sein Grundstück ein. Die kleinen und schmalen Vorgärten sind gepflegt.

Im grauen East End sieht es anders aus. Die letzten Kilometer müssen wir per Fußmarsch absolvieren. Inmitten von brach liegenden Bauruinen ragen hohe Tribünen in den Himmel. Wir befinden uns am Celtic Park und sind beeindruckt. Die Arena trägt auch den Spitznamen „Paradise“, ein Name, der aus der trostlosen Lage des Stadions entstanden ist. „Es ist, als würde man den Friedhof verlassen und ins Paradies kommen“, erklärt uns McAllister die Hintergründe.

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