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Ortstermin: Scottish Cup, Celtic v Queen's Park
Keep the faith!

Ein Stück Anerkennung: Die Fans des Queen's Park FC

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Über den Tribünen sind die schottische und die irische Flagge gehisst. Auf den Union Jack, die Flagge des vereinigten Königreiches, verzichtet man bewusst – aufgrund der symbolischen Dominanz des englischen St.-George-Kreuzes.

22.200 Zuschauer befinden sich im Stadion, das knapp 60.000 Sitzplätze bietet. Dennoch gleicht die Stimmung einem Hexenkessel. Die Tribünen befinden sich nah am Spielfeldrand und ragen beeindruckend hoch hinaus. Die Fans des QPFC haben das Gästekontingent komplett ausgeschöpft und unterstützen ihr Team bereits lange vor Anstoß lautstark.

Die Anspannung ist unseren schottischen Freunden ins Gesicht geschrieben. Es geht ihnen gar nicht darum, den übermächtigen Gegner zu besiegen, sondern darum, wahrgenommen zu werden. In einer Zeit, in der die Rangers und Celtic seit Jahrzehnten nicht nur den Fußball in Glasgow, sondern in ganz Schottland dominieren, möchte man verhindern, dass die ruhmreiche Vergangenheit in Vergessenheit gerät.

Und nach den ersten Minuten war jedem im Stadion klar, dass auch die Akteure auf dem Platz verinnerlicht hatten, was dieses Spiel für den Verein bedeutet. Nach zwei Minuten der erste Torschuss von Queen's Parks Ryan Holms. Ein Ball, der das Tor der „Celts“ nicht annähernd gefährdete. Aber der Gästeblock reagiert lautstark und man merkt, dass man nicht nach Parkhead gefahren war, um sich seinem Schicksal zu fügen.

Die Außenseiter kämpfen um jeden Meter, der Funke schlägt von der ersten Minute an auf die Ränge über. Keinen der QP-Supporters soll es noch auf seinem Sitz halten.

Erst in der Luft ist die Dominanz des Riesen sichtbar. Die Kopfbälle zum 1:0 durch Caldwell und zum 2:0 durch McDonald fallen nach Standards, nachdem man das Geschehen am Boden durch aufopferungsvollen Kampf unter Kontrolle hatte.

Die QP-Verteidiger werfen sich in die Schüsse von Jan Vennegoor of Hesselink und kratzen die Bälle von der Linie, müssen aber dennoch mit einem 0:2 in die Kabinen. Halbzeit.

Wir suchen die Stadiongastronomie auf. Es gibt Scotch Pies, ein Gebäck mit Fleischfüllung, und Bovril, ein Heißgetränk aus Rindfleisch-Extrakt – die schottische Version von Bratwurst und Bier und ein Stück schottischer Fußballkultur. Gerüchten zufolge sollen auch Innereien, wie beispielsweise Nieren in dem Pie verarbeitet werden. Der Geruch ist gewöhnungsbedürftig und auch geschmacklich sind wir Mitteleuropäer durchaus anderes gewohnt.

Dafür wird uns ein fußballerischer Leckerbissen serviert, denn in Halbzeit zwei drehen die Underdogs richtig auf. Der Drittligist dominiert plötzlich das Spiel und kommt zu guten Einschussmöglichkeiten. Als fünf Minuten nach Wiederanpfiff der eingewechselte Adam Coakley vor dem Tor auftaucht und das Leder an Celtic-Keeper Artur Boruc vorbeischiebt, wackelt die Tribüne. Aber der Torschrei verstummt schnell. Der Ball kullert ans Außennetz. Der eine oder andere von uns hat den Jubel genutzt, um den Pie unauffällig zu entsorgen.

Dieser Coakley will es wissen. Zehn Minuten später ist er wieder zur Stelle, scheitert erst an Boruc, hämmert den Ball im Nachsetzen in die Maschen – und die Leute stehen Kopf. Der Lisbon-Lions-Stand vibriert, alle, wirklich alle Queen's-Park-Spieler, die Trainer und die Ersatzspieler sind nicht mehr zu halten und bilden vor dem Gästeblock eine tanzende Menschentraube, als hätte man gerade den Siegtreffer in der Nachspielzeit erzielt.

Die Schiedsrichter haben ihre Mühe, die Spieler einzufangen um das Spiel fortzusetzen. Das ist es! Das Gefühl, für das ein ganzer Fußballverein gebetet hatte, wofür man so viele Emotionen investiert.

Coakley sieht Gelb, wird bestraft, das Spielfeld ohne Erlaubnis verlassen zu haben. Ein 20-Jähriger, der keinen Penny am Park verdient, wird für das Verbrechen bestraft, dass er den vermeintlich größten Moment seiner Karriere feiert – Fußball kann so grausam sein.

Erst recht, als er kurz darauf die Ampelkarte sieht. Nach einem vergleichsweise harmlosen Foulspiel. Am Ende bleibt es beim schmeichelhaften 2:1. Die „Spiders“ verlassen den Platz erhobenen Hauptes. Die mitgereisten Fans ebenso. Die glorreichen Zeiten dieses Vereins liegen mehr als hundert Jahre zurück, keiner der Anwesenden hat das miterleben dürfen. Aber nun hat man zumindest wieder ein kleines bisschen Ruhm und Anerkennung mitgenommen.

Man hat sich beachtlich präsentiert und einem übermächtigen Gegner Paroli geboten. Wir haben eine großartige Leistung einer jungen Mannschaft gesehen, die sich mit viel Idealismus und Stolz einer fast aussichtslosen Aufgabe gestellt hat. Und wir sind froh, dass wir dabei sein durften. Keep the faith!

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