Startseite

BVB-Legende Alfred Niepieklo im Gespräch
„Ohne Harmonie bist Du auf dem Platz verloren!“

Seite: 2 von 2

Alfred Preißler, Alfred Kelbassa und Alfred Niepieklo bildeten Mitte der 1950er Jahre Borussia berühmtes Innentrio. Cover des KICKER, 16. April 1956.

Was gab dem BVB in den 1950er Jahren den letzten Schub zum großen Erfolg?

Als ich kam, befand sich die erfolgreiche Elf in einem Umbruch. Preißler kam 1952 von Münster zurück, Kelbassa 1954 von Horst-Emscher. Die Mannschaft brauchte ihre Zeit, bis sie zusammenwuchs. Das kam nicht von heute auf morgen. Dann aber war da eine Harmonie, die alles andere überbrückte. Jeder stand an seinem Platz und wusste, was er für sich, für den anderen und für die Mannschaft zu machen hatte. Junge Leute wie Peters oder Kapitulski rackerten die Linie rauf und runter und mussten eben mehr arbeiten, während die älteren Techniker wie Preißler oder Michallek das Spiel gestalteten und die Bälle verteilten. Michallek war ja ein Ausnahmekönner, der auch im Stehen Fußball spielen und mit dem Ball machen konnte, was er wollte. Er hatte seine Leute, auf links Bracht auf rechts Schlebrowski als Läufer, und die bediente er. So war unser Spielaufbau und vorne waren wir dann mit Adi Preißler als unserem Lenker in der Offensive. Das harmonierte, da lief einer für den anderen, und jeder gestand dem anderen auch seine Qualitäten zu. Trainer Helmut Schneider wollte nur, dass wir marschierten und ließ uns gewähren. So sind wir bis zur Deutschen Meisterschaft marschiert.

(Mittlerweile hat Liesel Niepieklo die Stube betreten und hört ihrem Mann zu. Plötzlich bricht es ganz aufgeregt aus ihr heraus.)

Liesel Niepieklo: Und als wir 1956 von Berlin zurückkamen, saßen wir Frauen alle zusammen in einem Waggon. Plötzlich wollte uns die Vereinsführung vor der Einfahrt in den Dortmunder Hauptbahnhof abkoppeln, weil die Spieler allein einfahren sollten. Was für eine Frechheit! Als ob wir uns da nach vorne gedrängelt hätten. Da haben sich Alfred Kelbassa, Heini Kwiatkowski und mein Mann zu uns ins Abteil gesetzt und Richtung Vorstand gesagt: „Dann macht doch! Wir bleiben hier bei unseren Frauen!“ Schließlich sind wir alle zusammen eingefahren. Später wollte es keiner vom Vorstand gewesen sein, der diese blödsinnige Idee verzapft hatte.

BVB-Fans beim Empfang der Mannschaft 1956.

Und die Meisterschaften 1956 und 1957?

Weiter Alfred Niepieklo: Die erste Meisterschaft war eine ungeheure Befreiung. Endlich hatten wir es geschafft. Dieses Gefühl war überall zu spüren gewesen, denn es war ja die erste Meisterschaft für den BVB. Vor allem Adi Preißler standen Tränen in den Augen, denn er hatte ja zuvor zwei Endspiele verloren: 1949 mit dem BVB und 1951 mit Preußen Münster 1951. Bei der zweiten Meisterschaft war uns damals schon klar, dass wir damit etwas Historisches geschafft hatten. Dass die gleichen Spieler zweimal hintereinander Meister werden, hat es wohl auf der ganzen Welt nur einmal geben. Bei der Ehrenrunde in Dortmund auf den offenen Lastwagen der Union Brauerei hat es gegossen wie aus Eimern. Mehr als eine Viertelmillion Menschen feierte uns, und während wir immer wieder die Meisterschale hoch halten mussten, lief uns der Regen in die Jackenärmel. Wir waren pitschnass, aber glücklich.

Sie haben in den Endrunden 1956 und 1957 15 von 34 Toren für Borussia erzielt. Eine überragende Quote, oder?

Ich war eben scharf auf Tore gewesen. Aber es lief halt vorne nur so erfolgreich, weil es auch in der Läuferreihe, in der Abwehr und im Tor stimmte. Tatsächlich schaffte unsere Mannschaft einen historischen Erfolg, weil sie eben eine ausgesprochene Mannschaft war, denn ohne Harmonie bist du auf dem Platz verloren.

Alfred Niepieklo mit der Schale – umgeben von: Helmut Bracht, „Pat“ Koschmieder, Max Michallek und Aki Schmidt.

Wie stehen Sie heute zum BVB?

Ich gehe noch immer gerne ins Stadion, schließlich ist der BVB mein Verein geblieben. Aber es ändert sich eben alles. Das Familiäre von früher gibt es nicht mehr, kann es vielleicht auch im großen Geschäft der Bundesliga nicht mehr geben. Im Vergleich dazu haben wir Almosen verdient. Aber damals war es gutes Geld, und es war wohl zu keiner Zeit von Nachteil, ein guter Fußballer zu sein. Nur bei einem Punkt bleibe ich unnachsichtig: Der Fußball heute ist härter, schneller, robuster, aber nicht unbedingt schöner geworden.

Das Gespräch führte Ralf Piorr.

Seite 1 2

Spieltag

1. Fußball Bundesliga

Kurz Notiert / Amateurfußballnews

RevierSport Digital

Im günstigen Abo oder als Einzelheft

Jeden Montag und Donnerstag Fußball ehrlich und echt von der Bundesliga bis zur Bezirksliga. Im günstigen Abo oder als Einzelheft auf ihrem PC, Mac oder mobilem Endgerät.