Und die Zerrung, die sich Bochums Abwehrmann Philipp Bönig schon nach einer halben Stunde zuzog, wäre mehr als ein „Alibi“ gewesen, um sich in der Nervenschlacht eine Auszeit zu nehmen.
Doch Bönig, Herzblut-Fußballer, ist mittlerweile nicht nur der dienstälteste VfL-Profi, sondern auch ein Kerl, auf den sich ein Trainer jederzeit verlassen kann. Und ein Energiebündel - denn trotz Verletzung spurtete der Bayer nach Spielende über den ganzen Platz, ließ sich von den Fans enthusiastisch feiern und tobte dann gemeinsam mit Olli Schröder ausgelassen wie ein Schuljunge mit dem Transparent „Klassenerhalt“ über den Rasen.
Bönig: „Das war wie im Rausch. Da habe ich alle meine Schmerzen vergessen.“ Später gestand er allerdings ein: „Es kann durchaus sein, dass ich in den nächsten Tagen operiert werden muss.“
Zuerst einmal wollte Bönig aber nur noch feiern. Im VIP-Raum herzte er Ehefrau und Kinder und versprach den Fans: „Heute Nacht gibt es sicher noch eine dritte Halbzeit.“ Und während der Linksfuß endlich überall die Anerkennung fand, die ihm lange Jahre verwehrt blieb, stimmte Ur-VfLer Frank Goosen schon eine Lobeshymne auf Bönig an: „Philipp ist von ganzem Herzen Bochumer. Ich würde ihn auf Lebenszeit an den Klub binden. Er muss nach seiner Karriere einen Rentenvertrag erhalten und irgendwie in die Vereinsarbeit eingebunden werden.“
Nicht unrealistisch, denn nicht nur Marcel Koller weiß, was er an Bönig hat, der schon zuletzt bei den fünf Niederlagen in Folge immer zu den besten Spielern gehört hatte. Bönig: „Das ist einer der schönsten Tage in meiner Karriere. Den will ich jetzt einfach nur noch genießen. Das ist ja der Wahnsinn.“

