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Gelb-schwarzes Erbe

Druckerei-Besitzer Horst und Manfred Röhr
Dabei steht das Verhältnis zwischen Borsigplatz und Borussia längst nicht zum Besten. Seit vier Generationen arbeitet die Druckerei der Familie Röhr in der Wambeler Straße für den BVB. „Die Identifikation des Vereins lag immer am Borsigplatz. Aber das war einmal. Längst hat man sich von seinen Wurzeln entfernt, was aber auch daran liegt, dass etliche am Ruder sind, die überhaupt keine Dortmunder mehr sind“, kommentiert Horst Röhr kritisch. Dabei besitzt der 75jährige, wie sein Bruder -und sein Vater und Großvater vor ihm, die goldene Vereinsnadel.
Mit Stolz zeigt er ein mit Autogrammen versehenes Foto der 1956 Meistermannschaft. „Das waren alles meine Freunde“, seufzt er ein wenig, „ und das Hoesch-Viertel hat den BVB zu dem gemacht, was er heute ist. Jetzt wäre es nicht falsch, wenn der Verein etwas davon zurückgeben würde.“

Quartiermanager Mike Ndambuki
Aber es gibt immer noch ein pulsierendes Leben am Borsigplatz. Menschen hoffen, arbeiten, scheitern, stehen wieder auf. Mike Ndambuki arbeitet als Quartiermanager im alten Hoeschviertel und kennt die Probleme bestens. „Durch den Strukturwandel sind die klassischen ‚Blaumann-Arbeitsplätze’ verloren gegangen. Das Quartier musste sich neu stellen – wie das gesamte Ruhrgebiet. Wir sind alle in einem Marathon im Kampf um die modernen Arbeitsplätze“, doziert er. Für ihn ist es fast verwunderlich, dass die Menschen diesen Prozess des sozialen Wandels ohne große Ausschreitungen und Proteste meistert. Bei einer Bevölkerungsfluktuation von fast 50 Prozent alle fünf Jahre ist das Viertel für ihn auch eine Art „sozialer Durchlauferhitzer“. „Es gibt eine Identifikation mit dem Quartier“, resümiert der diplomierte Soziologe, „anderseits verlassen Menschen die Gegend, die oft ohne Perspektive gekommen sind, sich hier aber eine Zukunft erarbeitet haben. Sie machen ihren Schulabschluss, finden einen Job, ziehen in ein anderes Viertel oder in eine andere Stadt. Bei all dem negativen Image, das auf dem Borsigplatz und seiner Umgebung lastet, ist dies eine enorme Leistung, die anerkannt und unterstützt werden sollte.“
