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100 Jahre BVB: Eine Reise zur Wiege des Vereins
Den Borsigplatz sehen und überleben

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Gestern! Heute! Morgen?

Der BVB hat den Borsigplatz längst hinter sich gelassen. Seit Mitte der 1990er Jahre wird die Saisoneröffnung auch nicht mehr im Hoeschpark zelebriert. „Der BVB ist der verlorene Sohn des Borsigplatzes“, so Mike Ndambuki, „ein Sohn, der im Herzen da ist, denn man aber nicht sieht und anfassen kann. Wir Menschen vom Borsigplatz identifizieren uns mit unserem verlorenen Sohn, aber ob es andersherum auch noch so ist, bezweifeln viele.“ Nur nach interner Überzeugungsarbeit konnte der Verein dazu bewogen werden, die Eröffnungsveranstaltung des Jubiläumsjahres am 19. Dezember 2008 in der Dreifaltigkeitskirche am Borsigplatz durchzuführen. Im Nachhinein waren alle von der Würde des ökumenischen Gottesdienstes angetan. Trotzdem blieben die Konflikte zwischen Ursprung und Gegenwart des Vereins greifbar, was Anwohner in einem Leserbrief in der Westfälischen Rundschau kritisierten: „Der Ausschluss schwarz-gelber Mitglieder, Fans und Anwohner rund um den Borsigplatz und damit von Vertretern jener sozialer Gruppierungen, die bis heute erheblich zur Begeisterung über den BVB beitragen, sorgt für einen faden Beigeschmack. Es zeugt von mangelnder sozialer Sensibilität, dazu (Vereins-)Eliten mit Bussen in einen Stadtteil zu karren, den sie ansonsten kaum betreten würden.“

Bekenntnis zur sozialen Verantwortung oder nur gefällige Kampagne?

Als das Stadtteilbüro gemeinsam mit dem Gewerbeverein zur Imageverbesserung des Quartiers den „größte Adventskranz“ der Welt ins Leben rief, blieb Borussia weitgehend außen vor. „Es ist sehr schade, dass die Vereinsführung ihre Wurzeln nicht mehr akzeptieren möchte. Dabei fehlt es nicht an Ideen, sondern es mangelt in der Strobelallee einzig und allein an dem Willen“, so Mike Ndambuki und engagiert fügt er hinzu: „Wenn der BVB wirklich Wert auf seine Geschichte legt und das Selbstverständnis hat, dass er neben dem Fußball und dem Verkauf von VIP-Karten noch eine soziale Verantwortung besitzt, dann müsste er an seine Wurzeln denken und sich mehr engagieren.“ Dass in der Plakatkampagne 100 Jahre BVB der Borsigplatz auftaucht, mutet in diesem Kontext eher als fades Lippenbekenntnis cleverer PR-Agenturen an.

Borsigplatz, Februar 2009.

Der Borsigplatz und seine historische Umbauung stehen seit 1984 unter Denkmalschutz, aber der Lauf der Zeit konnte nicht angehalten werden. „Der Platz birgt immer noch ein buntes urbanes Leben. Es ist mein Zuhause und die Häuser sprechen zu mir“, sagt Annette Kritzler. Im Büro des Quartiermanagers Mike Ndambuki finden Gespräche mit den Bewohnern auf Augenhöhe statt, auch darüber, was man im Quartier konstruktiv ändern könnte. „Ein besseres Leben? Wer will das nicht“, fragt er. Gleich neben an serviert Emad Taha „Kibbeh“, das libanesische Nationalgericht, während auf der anderen Seite des Platzes in der Druckerei Röhr die Druckmaschinen rattern. Nachmittags muss man an der Haustür klingeln, um Einlass zu finden. Und über dem ganzen Borsigplatz schwebt der BVB. Schwarz-gelb ist hier gestern und heute. Nur an dem „morgen“ gibt es erhebliche Zweifel.

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