Herr Watzke, in Dortmund wird derzeit viel von einem vermeintlich nötigen Umbruch in der Mannschaft geredet. Stört Sie das?
Was ist ein Umbruch? Wenn wir drei, vier Spieler holen? Das machen wir jedes Jahr. Nein, ein Umbruch ist, wenn wir die halbe Mannschaft auswechseln. Aber das wird nicht passieren. Wir müssen keine Runderneuerung der Mannschaft anstreben.
Warum nicht?
Diese Mannschaft hat nachhaltig bewiesen, was in ihr steckt. Wir waren im letzten Jahr im Viertelfinale der Champions League und dort die einzige Mannschaft, die den späteren Gewinner Real Madrid geschlagen hat, wir waren Vizemeister und Teilnehmer eines DFB-Pokal-Endspiels, in dem es leider keine Torlinientechnologie gab.
Aber all das ist in dieser Saison wenig wert oder finden Sie nicht?
Dass die Mannschaft in diesem Jahr Probleme hatte, das ist klar. Die haben wir hundertfach erläutert. Aber wir werden eine gute Mannschaft haben, die auch von der Altersstruktur her nicht über den Zenit ist, sondern eher im Gegenteil. Was die sportlichen Ambitionen angeht, wird es keinen gravierenden Einbruch bei Borussia Dortmund geben.
Wie wertvoll wäre vor diesem Hintergrund eine Qualifikation für die Europa League, die dem BVB sowohl über die Liga als auch über das DFB-Pokalfinale noch gelingen könnte?
Die wollen wir mit aller Macht, das ist doch logisch. Das noch zu schaffen, wäre gemessen an den Ansprüchen von Borussia Dortmund zwar nicht der allergrößte Erfolg, aber vor dem Hintergrund, dass wir im Februar noch Tabellenletzter waren, wäre das eine sehr ordentliche Geschichte und mit Sicherheit die größte Aufholjagd, die ein Tabellenletzter in der Bundesliga je hinbekommen hätte.
Sie sind zuversichtlich?
Es sind noch drei Spiele zu spielen, wir treten zweimal im eigenen Stadion an. Wenn wir beide Heimspiele gewinnen, haben wir eine hohe Wahrscheinlichkeit, in der Europa League dabei zu sein. Wir sind schließlich der einzige Verein der Liga, dem Platz sieben sicher reicht. Das ist ein Vorteil. Dann würden wir mit der Sicherheit nach Berlin fahren, international dabei zu sein. Und das Finale will man ja sowieso gewinnen. Die Strahlkraft und Aussagekraft dieses Pokalendspiels ist heute viel höher als vor 20 Jahren. Das sieht man daran, dass jeder unbedingt da hin will. Es ist wirklich fantastisch. Und mit einem Sieg dort stünden wir direkt in der Gruppenphase. Das ist ein auch ökonomisches Thema, das wären 25 bis 30 Millionen Euro.
Sie übertreiben?
Nein, das ist konservativ gerechnet. Das hat nichts damit zu tun, dass da jetzt ein Füllhorn an Geld über allen teilnehmenden Klubs ausgeschüttet wird. Aber Borussia Dortmund ist eben Borussia Dortmund. Wir haben andere Einnahmepotenziale als viele Konkurrenten.
Das bedeutet genau?
Ich gehe davon aus, dass wir egal gegen welchen Gegner ein gut gefülltes Stadion haben werden. Und: Wir haben Sponsoring-Verträge, die auch für die Europa League sehr werthaltig sind. Als wir die vor vielen Jahren abgeschlossen haben, da war die Europa League ein noch reizvolleres Thema für die Menschen, weil wir jahrelang international von der Bildfläche verschwunden waren. Wenn wir über die Gruppenphase hinaus noch ein, zwei Runden spielen würden, sind 30 Millionen Euro drin.
Lesen Sie auf Seite 2: Ohne Europa-League müsste der BVB ans Festgeldkonto




Hinweis:
Um Kommentare schreiben zu können, musst du eingeloggt sein. Falls du noch nicht angemeldet bist, kannst du dich hier kostenlos anmelden.
Login via Facebook
Der Login via Facebook erleichtert Ihnen die Anmeldung